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Kunstszene in Köln
Ein Besuch auf den letzten Drücker
Allzu schwer habe ich es Annette nicht gemacht, mich eine Zeit vom Schreibtisch und der Wochenplanung für die Rahmenfertigung und online-shop-Planung der schon wieder 6.Kalenderwoche wegzuholen. Obwohl ich leider zu selten hinkomme, empfängt mich das Stadtmuseum vetraut unverändert, von mir aus kanns so bleiben bis zu meinem 108. Dann finde ichs begrüssenswert, dass es diese Stadt auch hier schafft, Entwicklungschancen zu vertun. Die Kehrseite der Medaille. Entspannte, freundliche Kunstfreunde in erstaunlicher Zahl füllen den Museumsempfang und stellen sich brav an die Kassenschlange, um ihre kleine Mark dazulassen, obwohl die Ausstellungseingänge nicht kontrolliert werden - das ist echter Bürgersinn und ein sehr entspanntes Zeremoniell -ganz anders alls der Kontrolletti-Wahn allerorten, ob Museen oder Köln-Arena, die ja jetzt nicht einmal mehr so heissen darf. Im flachen, kunstbelichteten unteren Ausstellungsraum die Ausstellung von Eusebius Wirdeier, der sich im Lauf der Jahre zu einem der markantesten Stadtbeobachter und -Fotografen entwickelt hat und erfreulicherweise dabei nichts von seinem -in einem sehr positiven Sinne- sturen politischen Ansatz verloren hat. Konsequent mündet seine -formal strenge- Dokumentation des -hier gewollten- Untergangs der Kölner Kunsthalle in der Forderung nach einer Wiederauferstehung in neuer Form und an der Stelle des zweiten "Kölner Lochs": dem des eingestürzten Stadtarchivs. Wenns der Sache dient: Eusebius, ich bin an Deiner Seite!
Treppe hoch empfangen mich die lichten, hohen, schönen oberen Ausstellungräume -kann mich nicht erinnern hier je gewesen zu sein. Überraschand für mich die grosszügige Ruhe, die sie bieten, die feinen -wohl 50er Jahre- baulichen Details, ich wünsche mir, dass sich hier nichts verändert. Ich kenne nicht viel von Fotogafie aber bei den kleinformatigen Köln-Darstellungen Sanders aus den 30er Jahren beeindruckt mich die sehr plastische Zeichnung, die ausgewogene Bildkomposition und die lebendigen Lichtspiele. Ich denke: besser geht nicht. Sogar die ungewöhnliche Rahmung: massive Eicherahmen und sehr cremige Passepartouts, die auf den ersten Blick keinen Bezug zu den Grauschattierungen der Sanderschen Fotografie haben, stören mich nicht nachhaltig, ein weiteres Zeichen für die Stärke dieser Fotografie. Ich weiss nicht, wer die Fotos ausgesucht hat - für mich könnten es etwas weniger Kirchen sein. Dagegen erfreun mich die leeren Stadt-Strassen -noch nichts vom heutigen Autowahn. Als jemand, für den die Bildbetrachtung Arbeitsalltag ist, bin ich schnell durch mit August Sander und geniesse auf den Sitzpolstern in den Raummitten entspannt den Anblick der Besucher und das Geraune, das die Saalhöhe füllt. Und dann noch ins Cafe Eigel auf hohen Hockern einen Milchcafe. Annette, Danke.
geschrieben am 08.02.2010 um 13:59 Uhr.
 
 
 
 
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