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AKTUELLES

Kunstszene in Köln
Die Temporary Gallery Cologne
Zunächst hat der Einrahmer etwas Schwierigkeiten, das richtige Galerienhaus zu finden, nach der Hausnummer Mauritiuswall 33 kommt lange keine mehr und dann nach hundert Metern finde ich sie, die nun schon wieder ehemalige Rental Gallery. Wie der Kölner Stadtanzeiger berichtet, hat sich die Galerie, die es auswärtigen Kunsthändlern ermöglicht, gegen vergleichsweise kleines Geld wochenweise ihre gerahmte und ungerahmte Kunst auszustellen, wegen Streitigkeiten mit einer namensgleichen Galerie in New York, umbenennen müssen. Die Galerie empfängt uns mit einer blauen grossen Stahltür,die komplett blau lackiert ist, blau wie das Werkladenrahmen-Blau. Da das Wetter mild ist, ist sie geöffnet und gibt unmittelbar einen Blick frei in grosse, lichte Räume. Mich ziehen direkt die Serienrahmen im hinteren Raum an, schwarze kleine Bilderrahmen, eng gehängt über die ganze Galerienwand. Ein erster fachlich-kritischer Blick auf die Einrahmung zeigt mir, dass hier das konservatorische nicht so sehr ernst genommen worden ist, Fotos sind hier direkt hinters Glas gerahmt, für jeden Restaurator fast eine Rahmer-Todsünde. Inhalt der Bilderrahmen ist die Fotoserie "100 Boots" von Eleanor Antin, eine äusserts witzige Themenserie, die in jedem neuen Bilderrahmen ein neues Fotoarrangement mit einer Menge Stiefel zeigt. Dem Bilderrahmer kommt es vor wie die Dokumentation der Abenteuer dieser witzigen Stiefeltruppe, das Ganze hat für mich viel Comicmässiges. Zum -sicher hier ungewollten- Spasseindruck trägt bei, dass erstens der Einrahmer -möglicherweise die Künstlerin selbst?- die Bilderrahmen mit vergleichsweise üppigen Klappösen versehen hat, die komplett oben überstehen und zweitens irgendjemand diese Miniaturrähmchen auch noch mit sehr soliden schwarzen Stahlnägeln mit dazu noch goldenen Köpfen an die Wand gebracht hat. Hier entwickelt sich eine weitere Bildernägel-Bild-Serie: der amüsierte Bilderrahmer kann die verschiedenen Erfolgsstufen der Nagelaktion nachverfolgen, manche sind krummgehauen, manche tiefer, manche weniger tief in die Wand eingedrungen, eine parallele Bilderschau für sich und ich frage mich, obs nicht doch ein Teil der Bildinstallation ist... Im Gedächtnis bleiben mir natürlich die Buchstaben und Text-Bilder des belgischen Künstler-Altmeisters Marcel Broodthaers, die wir bei Werkladenrahmen im Laufe unserer Rahmerjahrzehnte immer wieder haben einrahmen dürfen, die hier aber, als Diaprojektion oder als Papierbild ohne Bilderrahmen auskommen, was dieser witzig-spröden Kunst auch sehr gut bekommt. Diese Präsentation der Belgischen Enra Hecey Galerie läuft noch bis 11.Juli, eine fachkundig-kunstkritische Würdigung finden Sie im Kölner Stadtanzeiger vom 19.Juni (Seite 19). Der Bilderrahmer Tipp: unbedingt ansehen, gute Galerieräume, spannend-witzige Kunst und ein netter Galerist.
geschrieben am 22.06.2009 um 10:15 Uhr.
 
 
 
 
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